Grabmahl Metternich

Hier können Sie die Audiodatei nachlesen, wenn Sie gerade keinen Kopfhörer dabei haben oder unserer App gerade kein Ohr leihen können:

 

Die dramatischte Familiengeschichte, die dann auf die ganze Stadt Regensburg und sogar darüber hinaus ausgestrahlt hat, ist mit dem Metternich-Epitaph verbunden. Das Epitaph hat die Form einer Pyramide und an ihrer Spitze ist der mit 27 Jahren jung verstorbene Sohn Ernst Eberhard von Metternich dargestellt. Der war von seinem Vater ausgebildet worden als Diplomat und wurde dann seinem Vater als Vertreter zugeordnet. Aber er starb dann schon 1717 überraschend. Der Vater hatte bereits Grabplätze auf dem Gesandtenfriedhof gekauft für sich und seine Frau und hatte festgelegt, dass er nur ein ganz schlichtes Grabdenkmal, also nur eine Grabplatte haben wollte. Heute aber steht ein pompöses Epitaph dort und dann taucht natürlich die Frage auf: Wie ist es dazu gekommen? Einen ersten Hinweis gibt das Baujahr des Epitaphs, denn es wurde – ganz erstaunlich – erst 11 Jahre nach dem Tod des Sohnes gebaut, also 1728. Und der Bau wurde von seiner Mutter in Auftrag gegeben, denn der Vater war knapp ein Jahr vor dem Bau dieses Epitaphs verstorben. Der Vater war verstorben als Katholik, denn er war vor seinem Tode auch konvertiert, genau wie seine Tochter. Der Vater ist dann in der katholischen Klosterkirche St. Emmeram begraben worden und hat dort ein sehr prächtiges Epitaph erhalten mit einer Inschrift, die die Protestanten in Regensburg sehr provozieren musste. Dort stand sinngemäß drin: Nun ist er aus den Fluten seiner falschen Religion aufgetaucht und zur wahren Mutter Kirche heimgekommen. Es ist verständlich, dass seine Ehefrau über die Konversion ihres Ehemannes empört war, denn sie war eine sehr feste Protestantin und die Konversion ihres Ehemannes erfolgte hinter ihrem Rücken. Man fragt sich natürlich: Warum ist der Vater konvertiert? Und dann kommt man in eine sehr dramatische Familiengeschichte hinein mit der Quintessenz, dass wahrscheinlich der Vater nur deshalb konvertiert ist, damit er und seine Frau und seine Tochter Erbschaften in Österreich antreten konnten, wo es ja Vorschrift war, dass man katholisch sein musste, wenn man ein Erbe antreten wollte. Wie es zu diesen Erbfällen gekommen ist – um das zu erläutern, muss man sehr tief einsteigen in die Familiengeschichte und dann erkennt man, dass es viele Todesfälle gegeben hat in der Familie Metternich selber, aber auch in der Herkunftsfamilie der Ehefrau. Diese Todesfälle hatten zur Folge, dass letztendlich nur die Ehefrau Metternich und Tochter als potentielle Erben zurückblieben. Deshalb ist dann der Vater katholisch geworden, weil er seiner Tochter versprochen hatte, auch katholisch zu werden, weil sie allein das nicht wollte. Das ist auch von einem Pfarrer in einem Tagebuch festgehalten worden. Also eine sehr dramatische Geschichte.

Oder hier nocheinmal anhören:

Gesandtenfriedhof Metternich

 

Zurück zum Gesandtenfriedhof